RÖMISCHE MÜNZEN AUS DEM WESTEN TEIL DES WESTBALTISCHEN KULTURKREISES – KONTEXTE UND FUNKTIONEN moreThe paper I presented at the Konference in Trest in Czech Republic in 10.2009 |
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RÖMISCHE MÜNZEN AUS DEM WESTEN TEIL DES WESTBALTISCHEN KULTURKREISES – KONTEXTE UND FUNKTIONEN*
Anna ZAPOLSK A Einführung Das Siedlungsgebiet der westbaltischen Stämme ist an der nordöstlichen Peripherie des Barbaricums zu lokalisieren. Es umfasst Masuren, das Suwałki-Gebiet, das Samland einschließlich der unteren Memel und die Kurische Nehrung. Im Westen grenzt es im Bereich der Elbinger Höhe an die Wielbark-Kultur, im Süden an die Nidzica-Gruppe (die der Przeworsk-Kultur angehörte), die in der späten Kaiserzeit durch Besiedlung der Wielbark-Kultur ersetzt wurde (Abb. 1). Es ist sehr schwer die östliche Grenze eindeutig zu definieren. In diesem Beitrag benutzt die Autorin geographische oder staatliche Einheiten, da die Analyse der kulturellen Zugehörigkeit der im Westbaltischen Kulturkreis gefundenen Münzen, noch nicht erfolgte. Seit dem 18. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg bildete die beschriebene Region das Kerngebiet der preußischen Provinz Ostpreußen, welches sowohl historisch als auch politisch homogen war. Nur ein Teil des Suwałki-Gebiets gehörte zur Ersten Rzeczpospolita („Adelsrepublik“) und anschließend zu Kongresspolen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebiet zwischen Polen, der ehemaligen UdSSR, Litauen und Lettland aufgeteilt. Das uns hier interessierende Gebiet war für Altertumsfreunde und Archäologen schon im 18. Jahrhundert sehr attraktiv. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden planmäßige Ausgrabungen durchgeführt. Es stehen uns viele Beiträge und Veröffentlichungen zu diesen Forschungen zur Verfügung. Allerdings sind sie in zahlreichen Einzelbeiträgen in den Zeitschriften publiziert. Nur einige wenige in Masuren und im Samland gelegene Gräberfelder wurden monographisch vorgelegt – Mojtyny/Moythienen (Hollack – Peiser 1904), Kruklanki/Kruglanken (Stadie 1919), Grzybowo/Grzybowen (Peiser 1919), teilweise Bartlkshof/Bartlikowo (Kemke 1900), Dollkeim/Kovrovo (Tischler – Kemke 1902), Wiekau (Bujack 1889, 272–283; Heydeck 1909), teilweise Wackern (Tischler 1891), Greibau (Tischler 1891; Tischler – Kemke 1902) usw. Es gibt auch einige Monographien zu den erforschten Regionen oder konkrete Denkmalkategorien betreffende Publikationen (Bezzenberger 1904; Ebert 1926; Moora 1929; Moora 1938; Ginters 1936). Die Materialien, die während der Ausgrabungen gefunden wurden, wurden im Prussia Museum, das sich im Schloss in Königsberg befand, aufbewahrt. Das Schicksal der archäologischen Funde aus Ostpreußen war nach dem Krieg dramatisch und abenteuerlich. Der Hauptteil dieser Funde wurde zerstört oder verschwand spurlos. Im Zuge des Abtransports der Sammlungen des Prussia Museums aus Königsberg, gelangten die Funde teilweise nach Berlin, der andere Teil wurde in Königsberg versteckt. Nach dem Krieg, in den 50’er Jahren, wurden neue Untersuchung
* Dieser Beitrag stellt eine wiederbearbeitende Version des Referats und des Beitrags, der in Bursche, A. – Ciołek, R. – Wolters, R. [ed.]: Roman Coins Outside the Empire. Ways and Phases, Context and Functions. Proceedings of the ESF/SCH Exploratory Workshop, Radziwiłł Palace, Nieborów (Poland), 3–6 September 2005, Warszawa, veröffentlicht wurde (Zapolska 2008).
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Abb. 1. Westbaltischer Kulturkreis (1–6); 1. Dollkeim-Kovrovo Kultur; 2. Bogaczewo Kultur; 3. Westlitauische Gruppe; 4. Untermemel-Gruppe; 5. Mittellitauische Gruppe; 6. Sudauen-Kultur (nach Bitner-Wróblewska 2001, 22).
im westbaltischen Gebiet, vor allem in Masuren, im Suwałki-Gebiet und in Litauen durchgeführt. Die größte Hoffnung macht immerhin die in den letzten Jahren „wiedergefundene“ Sammlung des Prussia Museums. Teilweise erhaltene Funde und Archivalien sind zur Zeit in der Prussia Sammlung im Museum für Vor- und Frühgeschichte zu Berlin gelagert. Das Hauptteil dieser Funde ist leider ohne Archivnummer. Nur durch den Vergleich der Funde zu ihren Abbildungen, ihrer Beschreibung und Photos, die in Publikationen, Archivalien oder privaten Kartotheken angelegt wurden, kann man ihre Provenienz festlegen. 1
1
Zur Zeit stehen uns die Archivalien von M. Schmiedehelm, H. Jankuhn, O. Tischler, E. Blume, F. Jackobson, G. Kossina, K. Voigtmann und C.-A. Moeberg, und auch das zum Teil erhaltene Prussia Archiv zur Verfügung.
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Betreffend die Münzen steht uns, außer den oben beschriebenen Quellen, ein Katalog von Sture Bolin zur Verfügung (Bolin 1926). Dieser hervorragende Numismatiker stellte alle ihm bekannten römischen Münzen, die im Gebiet des ehemaligen Ostpreußen gefunden wurden, zusammen und bestimmte sie auch selbst. Sein Katalog enthält Informationen zu Emissionen, Kontext und manchmal Grabkomplexen, in denen römische Münzen auftreten. Bolin hat aber keine genauen Inschriften oder Beschreibungen der Münzen hinzugefügt. Manchmal kann man diese in den kurzen, in verschiedenen Zeitschriften publizierten, Notizen oder in Archivalien finden. Damit ist es möglich die Münzen genauer zu bestimmen und zu datieren. In letzter Zeit äußerten sich zu diesem Thema hauptsächlich Aleksander Bursche und Mykolas Michelbertas (Bursche 1992, 231–244; Bursche 1996a, 37–39; Bursche 1996b, 31–50; Bursche 1996c; Michelbertas 1972, 5–125; Michelbertas 1984, 39–44; Michelbertas 1995, 81–87; Michelbertas 2001). Römische Münzen in ihrem Kontext Eine Besonderheit, die den Westbaltischen Kulturkreis betrifft, ist der Typ der Münzen, die hier zugeflossen sind. Im Gegensatz zur Przeworsk- und Wielbark-Kultur,2 wo silberne Denare überwiegen, erreichten den Westbaltischen Kulturkreis hauptsächlich große bronzene Münzen, also Sesterze. Weiterhin ist dieses Gebiet die einzige barbarische Zone, in der die im 2. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts geprägten Sesterze so zahlreich auftreten. Ihre Verbreitung entspricht dem Auftreten von Sesterzen im norditalienischen Bereich des Römischen Reichs (Bursche 2006, 222). Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass der Westbaltische Kulturkreis das einzige Gebiet ist (außer dem sarmatischen Siedlungsgebiet – vgl. Farkas – Torbágy 2008, 255–266), wo diese Münzen vor allem in die Gräber hineingelegt wurden. Die oben beschriebene Situation ist innerhalb des Westbaltischen Kulturkreises nicht homogen, da nämlich die großen Bronzen nicht überall gleich zahlreich sind. Charakteristisch ist auch, dass goldene Münzen völlig fehlen. Wie bereits oben erwähnt, unterscheiden sich die entsprechenden Regionen des Westbaltischen Kulturkreises voneinander. Drei Zonen können voneinander getrennt werden: 1) Südliche Zone – Masuren 2) Nördliche Zone – Samland 3) Östliche Zone – Litauen und Lettland
Tab. 1. Kontexte des Auftretens römischer Münzen im Westbaltischen Kulturkreis.
Grabfund Streufund Schatzfund Einzelfund Siedlungsfund Unbekannt Zusammen
2
Bogaczewo Kultur 76 38 109 35 7 23 228
Dollkeim-Kovrovo Kultur 297 256 über 1672 20 – 32 2277
Westlitauische Gruppe 524 78 über 181 34 5 17 837
Untermemel Gruppe 13 40 36 6 1 9 105
Zum Auftreten römischer Münzen in der Wielbark- und Przeworsk-Kultur siehe Ciołek 2008, 157–170.
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In der südlichen Zone, d.h. im Siedlungsgebiet der Bogaczewo-Kultur, besteht die Mehrheit der Münzen aus Großbronzen, die in der zweiten Hälfte des 1. Jh. bis zur Mitte des 3. Jh. geprägt wurden. Diese Münzen stammen am häufigsten aus Gräberfeldern (Streufunde), hier meist aus Brandgräbern, selten dagegen von Siedlungsplätzen.3 Wir kennen drei Schätze, darunter einen Denarschatz (Bolin 1926, 206, Nr. 3; 221, Nr. 71; 233, Nr. 152; Nowakowski 2001, 49, 97, 106–107). Die Hortstruktur unterscheidet sich nicht von sonstigen Funden. Es überwiegen die Münzen der flavischen, antoninischen und severischen Dynastie bis Gordian III. Es gibt auch ein kleine Menge von Münzen des 3. und 4. Jh. (Abb. 2 und 3). Ihre Anwesenheit in der Bogaczewo-Kultur könnte auf die Kontakte zur Sudauen-Kultur zurückgehen, in der sie bis ins 4. Jh. ohne Unterbrechung auftreten. Die größte Menge von Denaren wurde im Gebiet der Bogaczewo-Kultur gefunden, darunter elf in den Gräbern und Gräberfeldern (als Streufunde) und 83 in zwei Schatzfunden (von Szczytno, ehem. Ortelsburg, Kr. Szytno und Skandawa, ehem. Skandau, Kr. Kętrzyn). Die Ursache liegt wahrscheinlich in Beziehungen zwischen Bogaczewo- und Wielbark-Kultur (Zapolska 2008).
30 25 20 15 10 5 0 Vespasian Titus Domitian Hadrian Antoninus Pius Marek Aurel Septimius Antonine Commodus Severus
Abb. 2. Denarhort von Szczytno, Kr. Szczytno (ehem. Ortelsburg, Kr. Ortelsburg).
Die größte Zahl der Münzen wurde im Samland (Dollkeim-Kovrovo-Kultur) registriert (Abb. 4). Wie in der Bogaczewo-Kultur treten die Münzen als Streufunde auf Gräberfeldern, in Gräbern (Brandbestattungen und Körpergräber) und in Horten auf. Zurzeit sind acht Schatzfunde bekannt (Bolin 1926, 210, Nr. 18; 217, Nr. 55:I; 215, Nr. 44; 214, Nr. 36:I; 209, Nr. 14),4 darunter 1672 Münzen (Tab. 1). Einer der Horte enthielt nur bronzene Münzen, die im 4. Jh. geprägt wurden; es gibt aber keinen Denarhort aus dem Samland. Die chronologische Struktur der samländischen Horte unterscheidet sich kaum von denen, die in der Bogaczewo-Kultur entdeckt wurden (Abb. 5). Die Münzen, die unter Regierung der flavischen und antoninischen Dynastie geprägt wurden, sind auch unter den Grabfunden am häufigsten. Mit 19 Denaren von insgesamt 553 Münzen stammt nur ein kleiner Anteil der Münzen der zweiten Hälfte des 3. Jh. und des 4. Jh. aus Gräbern oder Gräberfeldern. Ausnahmsweise treten die Emissionen von Hadrian häufiger im Samland auf als andere Münzen. Dies weist darauf hin, dass die römischen Münzen ein bisschen früher ins Samland als in
3
Ein Grund dafür ist der schlechte Forschungsstand zu den Siedlungen und auch die Tatsache, dass korrodierte Bronzemünzen ohne Einsatz von Metalldetektoren ganz einfach oft übergesehen werden (vgl. Bursche 1996a, 39).
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0
5
100
120
140
40
60
80
0 Nero Vespasianus Trajan Hadrian Antoninus Pius Marec Aurel Commodus Septymius Severus Caracalla Diadumenian Severus Alexander Maximinian Thrax Gordian III Philipus Arabs Herenius Etruscus Volusianus Decius Antonine unbestimmt
Galba
Vespasianus
Domitian
Nerva
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Trajan
Hadrian
Antoninus Pius
Marec Aurel
Pius oder Aurel
Commodus
Septymius Severus
Abb. 3. Römische Münzen aus Gräbern und Gräberfeldern in Bogaczewo Kultur.
Caracalla
Abb. 4. Römische Münzen aus Gräbern und Gräberfeldern in der Dollkeim-Kovrovo-Kultur.
Alexander
Gordian III
Philipus Arabs
Constantius
Antonine
andere wesbaltische Gebiete eingeflossen sind. Sie wurden hier auch früher benutzt. 20
unbestimmt
81
400 350 300 250 200 150 100 50 0 Trajan Hadrian Antoninus Pius Marek Aurel Marek Aurel (divus)
Commodus
Abb. 5. Hort der Sesterzen von Moršanskoe, Gur’evskij Rajon (ehem. Schreitlacken, Kr. Fischhausen).
180 160 140 120 100 80 60 40 20 0
Grabfunde Streufunde
Severus Alexander
Philipus Arabs
Maximinian Thrax
Antonine
Caracalla
Philipus Ceasar
Pius oder Aurel
Diadumenian
Trajan oder Hadrian
Abb. 6. Römische Münzen aus Gräbern und Gräberfeldern in Westlitauischer Gruppe.
Die Abwesenheit von Siedlungsfunden ist durch den schlechten Forschungs- und Publikationsstand verursacht.5
4
Dazu kommt noch ein bislang noch unpublizierter Schatzfund von ehem. Rudau, mit über 300 Sesterzen. Für die Hinweise bedanke ich mich bei Konstantin Skvorzov aus (Museum für Geschichte und Kunst Kaliningrad).
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Trebonianus Gallus
Antoninus Pius
Septimius Severus
unbestimmt
Nero
Trajan
Marec Aurel
Commodus
Elogabal
Hadrian
Domitian
Gordian III
Decius
Nerva
Die zwei letzten Gruppen, in denen die römischen Münzen zahlreich auftreten, sind die Westlitauische Gruppe und die Untermemel-Gruppe. Hier wurden die Münzen in den gleichen Kontexten wie in den zuvor geschriebenen Kulturen entdeckt. Bemerkenswert ist, dass, wie in Masuren, der Anteil der in geschlossenen Gräbern gefundenen Münzen gegenüber den als Streufunden auf Gräberfeldern auftretenden Exemplaren deutlich überwiegt. Umgekehrt verhält es sich im Samland, wo Streufunde überwiegen (Tab. 1). Gleichzeitig sind Prägungen von Flavian und Antonine Dynastie sind am häufigsten (Abb. 6). Im Gebiet der Westlitauschen Gruppe wurde die größte Menge der Münzen im Gegensatz zu anderen Kulturen und Gruppen des Westbaltischen Kulturkreises in Gräbern und Gräberfeldern entdeckt. Einzelfunde sind sehr selten, nur wenige Münzen stammen von einem Gräberfeld (z.B. Oberhof, Kapseda, Rucava, Stragna). Ein Teil der Münzfunde aus der Westlitauischen Gruppe stammt aus Körpergräbern mit Steinsetzungen (Michelbertas 1995, 82; Nowakowski 1996, 83), wobei die genaue Position der Münzen im Grab überliefert ist. Erweiterte Untersuchungen zu diesem Thema hat M. Michelbertas durchgeführt (Michelbertas 1995, 81–87). Schatzfunde sind auf dem Gebiet der Westlitauischen Gruppe am zahlreichsten. Es gibt neun Schätze, aber nur ein Hortfund wurde so genau dokumentiert (Michelbertas 2001, 37, 39, 43, 45, 53, 57; Bolin 1926, 227, Nr. 130; 232, Nr. 141), dass die Angaben verwertbar sind. Die Horte bestehen am häufigsten aus Bronzemünzen (Sesterzen) mit einem kleinen Anteil von Denaren. Die Struktur der Schatzfunde ist mit derjenigen in Masuren und im Samland vergleichbar (Abb. 7).
16 14 12 10 8 6 4 2 0 Trajan Hadrian Antoninus Pius Marc Aurel
Commodus
Antonine
Geta
unbestimmt
Abb. 7. Hort der Sesterzen von Saulažoliai, Rayon, Kr. Klaipėda.
Im Gebiet der Untermemel-Gruppe stammen alle Münzen aus Gräberfeldern. Im Vergleich mit der Westlitauischen Gruppe gibt es keinen Unterschied im Münzspektrum (Abb. 8). Häufiger treten hier die Münzen auf, die in den östlichen Münzanstalten geprägt wurden, was auch für die Bogaczewo-Kultur zu beobachten ist. Eine völlig separate Zone bilden Litauisch-südlettischer Kreis der Hügelgräber, Ostlitauischen Hügelgräber-Kultur und Mittellitauische-Gruppe. Wegen des schlechten
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Publikationsstandes muss hier leider auf die Beschreibung und Analyse dieser Münzen verzichtet werden, da die meisten dieser Münzen bislang nicht publiziert sind.
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Grabfunde Streufunde
25
20
15
10
5
Severus Alexander
Caracalla
Maximinian Thrax
Constantius
Septimius Severus
Antoninus Pius
Abb. 8. Römische Münzen aus Gräbern und Gräberfeldern der Untermemel Gruppe.
Chronologie und Zuflussrichtungen der Münzen Zu diesem Thema hat sich Aleksander Bursche jüngst in einigen Beiträgen geäußert. Betrachtet man den Westbaltischen Kulturkreis, muss man berücksichtigen, was hier charakteristisch ist, nämlich die bewusste Auswahl der zufließenden Münzen. Diese wurde von Römern kontrolliert – sie haben gewusst, welche Münzen die Balten bevorzugten (Bursche 1992, 233). Die Anwesenheit von fast ausschließlich Sesterzen im Westbaltischen Kulturkreis spiegelt somit in diesem Fall die “lebende Kultur” wieder, ein Begriff, der zum ersten mal von Eggers benutzt wurde (Eggers 1951). Ein Grund dafür, dass die Balten die billigeren bronzenen Münzen bevorzugten, war höchstwahrscheinlich ihr Aussehen. Sesterzen sahen als neue, nicht korrodierte bronzene Münzen wie goldene Münzen aus. Sie waren groß und wiesen ein deutliches Bildnis des Kaisers und eine lesbare Inschrift auf.6 Sprechen wir von der Zeit des Zuflusses der Sesterzen in den Westbaltischen Kulturkreis, haben wir es wahrscheinlich mit einer nur sehr kurzen Zeitspanne zu tun, die seit den Markomannenkriegen bis zur Mitte des 3. Jahrhunderts andauerte. Für diese These spricht die Tatsache, dass die Mehrheit der Münzen, die hier
5
Siedlungen sind im Samland bislang kaum bekannt. Die Siedlungen, die in den 1920er und 1930er Jahren ausgegraben wurden, blieben unpubliziert (vgl. Nowakowski 1996, 64).
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unbestimmt
Vespasianus
Marec Aurel
Commodus
Claudius
Gordian III
Aurelian
Trajan
Hadrian
Decius
0
zugeflossen sind, während der antoninischen Regierungszeit geprägt wurde und die letzte Emission aus der Regierungszeit des Valerians stammen. Wichtig dafür ist die Datierung der Grabkomplexe, in denen diese Münzen gefunden wurden. Innerhalb der Grabkomplexe mit den römischen Münzen gibt es keinen, der Stufe B2 oder B2/C1–C1a entspricht. Der Brauch Münzen in das Grab zu legen begann mit der Stufe C1b, was etwa der Regierungszeit Marc Aurels entspricht.7 Die Exemplare, die früher (in der Zeit des Trajan oder Hadrian) geprägt wurden, konnten im Römischen Reich länger im Umlauf bleiben und sind mit jüngeren Münzen in das Barbaricum gelangt (Bursche 1992, 238; Bursche 1996b, 37). Man kann aber vermuten, dass die Münzen in einige Gebiete etwas früher einflossen, was vor allem für die Dollkeim-Kovrovo-Kultur gilt. Für diese Vermutung spricht die Tatsache, dass hier die größte Anzahl der römischen Münzen entdeckt wurde. Auβerdem weist die gröβte Menge von Münzen, die unter Trajan und Hadrian geprägt wurden, darauf hin, dass die Münzen in der Dollkeim-Kovrovo-Kultur früher auftreten. Das ist vor allem an Grab- und Streufunden sichtbar, wo die Münzen, die durch flavische Dynastie geprägt wurden, zahlreicher auftreten als die Münzen der antoninischen Dynastie.8 Auβerdem ist aus dem Gebiet der Dollkeim-Kovrovo-Kultur der früheste Grabkomplex (Lauth, Grab 263) bekannt, in dem eine Münze von Marc Aurel zusammen mit einer Kniefibel gefunden wurde. Dieser Grabkomplex gehört in die Stufe B2/C1. Meiner Meinung nach deutet dies an, dass die römischen Münzen durch die samländischen Völker in Richtung Süden und Osten weiter verbreitet wurden. Eine große Rolle für den Zufluss der Münzen in das Gebiet der Dollkeim-Kovrovo-Kultur kommt der Wielbark-Kultur zu. Die Bestätigung dafür bilden sowohl die „Importe“ aus der Wielbark-Kultur in der Dollkeim-Kovrovo-Kultur (vgl. Nowakowski 1996, 98–99) als auch die Denarfunde, die sich in der westlichen Zone des Samlandes und an der Memelmündung konzentrieren. Der Zufluss der römischen Münzen in den Westbaltischen Kulturkreis ist mit dem Bernsteinhandel verbunden. Im westbaltischen Gebiet war Bernstein sehr einfach zu gewinnen (nach der Flut war Bernstein an den Stränden erreichbar). Dafür haben die Römer hauptsächlich mit den großen Sesterzen bezahlt. Die Kontakte zwischen Römern und Balten waren besonders im zweiten Viertel des 3. Jahrhunderts sehr intensiv und höchstwahrscheinlich bestanden Beziehungen direkt nach Norditalien. Zu dieser Zeit nämlich wurde die Verbindung mit Pannonien abgebrochen (Bursche 1996c, 125–126). Das ist auch innerhalb der Funde sichtbar. Der Hauptteil der Münzen stammt aus der zentralen Münzwerkstatt in Rom. Selten wurden in den Provinzen geprägte Exemplare gefunden, so in Masuren u.a. bronzene Münzen von Caracalla (geprägt in Serdica), von Elagabal (geprägt in Marcianopolis), von Severus Alexander (geprägt in Bithynien) und von Gordian III (geprägt in Pisidien). Aus dem Samland stammen zwei Münzen
6
7 8
Vgl. A. Bursche (1992, 231); W. Nowakowski (1995, 59), der J. Werner (1966, 28–39) zitiert, vergleicht es mit einem allgemeinen Interesse an der Schrift. Die Buchstaben konnten als ein Ornament betrachtet werden. Ein Beispiel dafür sind die Schnallen mit der Umschrift AVE MARIA, die von heidnischen Preußen getragen wurden (vgl. Gaerte 1929, Abb. 330a–c). Mehr darüber im weiteren Verlauf dieses Beitrags. Eine ähnliche, aber nicht exakt gleiche Situation gibt es im Fall der Schatzfunde. Der Grossteil der Münzen in Horten sind Prägungen der antoninischen Dynastie, aber auch die Münzen von Trajan und Hadrian treten sehr häufig auf. Das kann darauf hinweisen, dass die Münzen etwa später tesauriesiert wurden, als die Deponierung von Münzen in Gräbern schon sehr verbreitet war.
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Fundort (Kultur) Grab-nummer Münzen Dłużec/Langendorf, Fundstelle 1 148 AE I Marc Aurel für Faustina II (Bogaczewo-Kultur) Grunajki/Grunaiken 2 AE I Trajan (Sudauen-Kultur)
Tab. 2. Ausgewählte Grabkomplexe mit den Münzen. Funktionen der Münzen
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Grunajki/Grunaiken (Sudauen-Kultur) Bol’šoe Isakovo/Lauth (Dollkeim-Kovrovo-Kultur) Machary/Macharren (Bogaczewo Kultur)
von Caracalla (geprägt in Laodikeia und Nikopolis) und eine unbestimmte Münze aus Marcianopolis. Auch in Litauen wurden die aus östlichen Münzwerkstätten stammenden Bronzen registriert – aus Tomis (Bronze von Caracalla und Gordian III), Nikea (Bronze von Severus Alexander) und Tars (Medaillon von Geta). Trotzdem lassen sich erste Vermutungen über die Zuflussrichtung anstellen. Die Münzen in die sog. östliche Zone (d.h. Sudauen-Kultur Litauisch-südlettischer Kreis der Hügelgräber, Ostlitauischen HügelgräberKultur und Mittellitauische Gruppe) flossen pausenlos bis ins 4. Jh. aus den östlichen Provinzen. Ein Teil dieser Münzen konnte dann weiter geschickt werden und gelangte so in die Siedlungsgebiete der Dollkeim-Kovrovo-Kultur, der BogaczewoKultur sowie der Westlitauischen Gruppe und der Untermemel-Gruppe. Die Verbindung zwischen der östlichen Zone des Westbaltischen Kulturkreises dürfte während der Wanderung der Goten nach Süden sehr ausgeprägt gewesen sein (Nowakowski 1996, 99–100). Die Münzen, die in die sog. westliche Zone des Westbaltischen Kulturkreises geflossen sind, stammen am häufigsten aus der Zentralmünzwerkstatt in Rom. Höchstwahrscheinlich wurden sie auf Schiffen bis in die Nähe der Weichselmündung transportiert und von hier weiter verbreitet. Dafür spricht, dass keinerlei Funde von Sesterzen aus der Przeworsk- und der Wielbark-Kultur bekannt sind. Darauf weist auch eine kleine Menge von Denaren im Westbaltischen Kulturkreis hin, die meist an der Küste (Dollkeim-Kovrovo-Kultur) oder an der Grenze zwischen der Bogaczewo- und der Wielbark-Kultur gefunden wurden. Der Abbruch des Zuflusses an Münzen um die Mitte des 3. Jh. kann mit den Migrationen der germanischen Stämme verbunden werden (Angriff der Alamannen im Jahr 254 und Einfälle der Franken). Sie erschwerten die Organisation der Bernsteinexpeditionen (Bursche 1996c, 126). Man kann feststellen,
Stufe Stufe C1
Stufe B2/C1 263
Stufe C1
Stufe C1
sonstige Beigaben Fibel mit umgeschlagenem Fuß und Ringgarnitur Glassperlen, Tongefäß mit Beigefäß, Fibel A 167 mit Ringgarnitur, 2 Bernsteinperlen, Eis. Feuerstahl Eis. und br. Fibeln mit Ringgarnitur, Bernsteinperlen, Pinzette, Schellenberlock Kniefibel A 132, ein bronzener Ring ein paar angeschmolzene Bronzemünzen AE I Marc Aurel für Lucilla 4
209
AE I Philippus Arabs
Fibel A 210
Stufe C1
Mojtyny/Moythienen (Bogaczewo-Kultur) AE I Marc Aurel Stufe C1
5
AE I Septimius Severus
Stufe B2/C1–C1a–C2
Mojtyny/Moythienen (Bogaczewo-Kultur) AE II Caracalla
79
79
Stufe C1 Stufe C1 Stufe C1 Stufe C1
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11 Eis. Fibel A VI, 2 kleine Bernsteinperlen
3 br. Fibeln A 161–162, br. Dreisprossenfibel mit Stierkopf am Fußende, br. Riemenzunge, 4 Frag. Eis Fibel A 161–162; br. Armbrustfibel mit kleinem Kopfknopf; eis. Feuerstahl, Frag. von achtförmigen Bernsteinberlocken 2 Armbrustfibeln wohl mit umgeschlagenem Fuß, Kamm, Sporn br. Fibel A VI
20 AE I Antoninus Pius für Faustina 1 D Trajan Subaerat Antoninus Pius für Faustina 2 Münzen des Gordians III
1 D Trajan; 1 D Marc Aurel für Faustina II AE I Marc Aurel
Muntowo/Alt-Muntowen (Bogaczewo-Kultur) Nawiady/Aweyden (Bogaczewo-Kultur) Nawiady/Aweyden (Bogaczewo-Kultur) Netta (Sudauen-Kultur) I 2 eis. Fibel A VI, Schnalle mit rechteckigem Rahmen, Gürtelbeschlagstücke, eis. Pfriem, 3 kleine Messer, Lanzenspitze Fibel A 161–162 (mit Kopfknopf)
22
96
Stufe C1 Stufe C1-C2
Nikutowo/Nikutowen (Bogaczewo-Kultur) Paprotki Kolonia/ Paprotken (Bogaczewo Kultur)
102
Płociczno (Sudauen-Kultur)
1 (Doppel, Skelett-grab)
Stufe B2/C1–C1a–C2
208 Bronzemünze AE I Markus Aurel
Bronzemünze
I Glassperlen, Tongefäß mit breitem Bauch, konischem Hals und mehrlochigem Henkel, tiefe Schelle, 2 Bernsteinperlen, Knochenperlen 2 Dreisprossenfibel, 4 br. Manschettenarmringe, 4 br. Fibeln A 161–162, silb. Halsring mit umwickelten Enden, 2 br. Gürtelschnallen, versilberte Gürtelbeschläge und Riemenzungen mit einem Ajour- Ornament, 4 br. rechteckige Gürtelplatten, kleines Eisenmesser Glassgefäß E 205 (Schale), Fibel A 162, Hakennadel Fibel A 168, Frag. eis. Draht, Frag. eis. Gegenstände
Stufe C1 Stufe C1 Glassperlen, br. Pinzette, Bernsteinperle, Spinnwirtel, Stufe C1 eis. Pfriem, Frag. Eisengegenstand
220
Równina Dolna/Unter Plehnen (Bogaczewo-Kultur) Równina Dolna/Unter Plehnen (Bogaczewo Kultur) Sątoczno/Leunenbutg (Bogaczewo-Kultur)
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dass die östliche Richtung des Münzzuflusses seit dem Ende des 3. Jh. und im 4. Jh. überwiegt.9 Wie bereits früher festgestellt, war der Zufluss der römischen Münzen in den Westbaltischen Kulturkreis mit Bernstein verbunden (vgl. Bursche 1992, 238; Bursche 1996b, 37) und die Sesterzen waren das Äquivalent dafür. Bis jetzt konzentrierte man sich in der Forschung vor allem auf die Münzen, die Bestandteil der Grabbeigaben waren. Meine Analyse der Funktionen der Münzen im Westbaltischen Kulturkreis beginne ich auch damit. Römische Münzen finden sich in den Gräbern jeder Zone des Westbaltischen Kulturkreises. Sie wurden auf den Gräberfeldern in Masuren, im Samland und in Litauen gefunden. Einige Münzen wurden in Gräberfeldern Lettlands registriert. Gemeinsames Kennzeichen ist, dass es die Sesterzen sind, die hier am zahlreichsten auftreten. In einigen Fälle in Masuren, im Samland und in Lettland hat man auch Denare in den Gräbern gefunden. Nur die östliche Zone bereitet wegen des unbefriedigenden Publikationszustands einige Probleme in der Auswertung. Alle heutzutage erreichbaren Inventare (Bolin 1926; Kropotkin 1961; Michelbertas 2001) bringen uns zwar Hinweise über den Fundort und seinen allgemeinen Kontext. Im Fall der Grabfunde weisen sie aber keine sonstigen Beigaben nach. Dies bedürfte einer gesonderten Untersuchung. Die Zeit zwischen dem Zufluss und der Deponierung der Münzen in den Gräbern war sehr kurz. Sie treten meistens zusammen mit Funden der Stufe C1b–C2 auf. Innerhalb dieser Funde gibt es Fibeln mit umgeschlagenem Fuß – A 161–162 und A 167–168 mit Ringgarnitur. Tabellarisch wurden einige Grabkomplexe mit den römischen Münzen erfasst (Tab. 2). Detaillierte Forschungen in den Archivalien und zu den aus neuen Untersuchungen kommenden Materialien werden es sicherlich ermöglichen, mehr Grabkomplexe zu rekonstruieren. Dies ist auch wichtig, um die genaue Datierung dieses Phänomens zu beurteilen. Das Hauptteil der masurischen und samländischen Gräber sind Brandgräber. Aus diesem Grund kann man die Lage der Münzen im Grab nicht analysieren. Nur die Funde die der westlitauischen Gruppe angehören ermöglichen es, einige Hypothese zu bilden. Nach M. Michelbertas findet man Münzen sowohl in Männer- als auch Frauengräbern. Die Anzahl der Münzen per Grab schwankt von einem bis vier oder fünf Stück. In Einzelfällen hat man sechs, sieben bis zehn Münzen im Grab gefunden (Michelbertas 1995, 84). Die Mehrheit der Münzen lag am Kopfende des Toten (Abb. 9), wo sie in ein Schächtelchen aus Birkenrinde hineingelegt wurden. Darin befanden sich auch weitere Grabbeigaben – Tongefässe, Bronzearmringe, Fibeln usw. Manchmal wurden die Münzen in ein Gewebe gewickelt. Selten befinden sich die Münzen auf der Brust des Toten, manchmal bei den Hüften. Es gibt kein Exemplar, das im Mund des Toten lag. Nach der Meinung von M. Michelbertas ist es möglich, dass die Münzen, die in der Gegend der Brust, des Kreuzes oder des Beckens entdeckt wurden, sich ursprünglich in der Hand befunden haben könnten (Michelbertas 1995, 85). Daher sollte man die Version vom Obolos des Charon nicht verwerfen (vgl. Steuer 2002, 498–515). Man muss aber sehr vorsichtig sein. Nach Meinung der Autorin könnten die in der Gegend der Brust entdeckten Münzen ursprünglich ein Teil des Halsschmuckes
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Diese Hypothese bedarf einer Bestätigung. Dazu sind weitere detaillierte Studien zu den Hortstrukturen notwendig. Dies soll im Rahmen der Dissertation der Autorin erfolgen.
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gewesen sein, und die Münzen, die in der Gegend der Hüfte gefunden wurden, könnten der Inhalt des Geldbeutels sein.10 Die sonstige Münzen, die am Kopfende im Schächtelchen hineingelegt wurden, kann man als ein Besitz des Toten oder ein Teil der Grabbeigaben betrachten.
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Abb. 9. Die Lage der Münzen in Gräbern der Westlitauischen Gruppe (nach Michelbertas 1995, 84).
In den übrigen Regionen wurden die Münzen in Brandgräbern hineingelegt und deswegen können wir nur einige Hypothesen über ihre Lage und Funktionen bilden. Wie in Litauen wurden einige Münzen aus Masuren und dem Samland gelocht oder geöst zum Anhängen. Dies weist auf die Zierfunktion der Münzen hin.11 Grosse, glänzende Sesterzen mit dem deutlichen Porträt des Kaisers waren dafür besonders geeignet. Das hat schon S. Bolin bemerkt (Bolin 1926, 211).12 In einem Fall wurde eine Münze mit einem Fragment einer Kette entdeckt (Bolin 1926, 210, Nr. 20).13 Der andere Hinweis dafür ist der Fund einer Münze aus dem Grab XXXVIIIc von Hrustal’noe (Samland), die mit einer Holzfassung versehen war (Bujack 1889, 280; vgl. Nowakowski 1995, 59). Nach Meinung von W. Nowakowski ist es möglich, dass auch andere Münzen solche Fassungen aus organischen Stoffen hatten. Diese könnte als Schmuck betrachtet werden. Ein interessantes Exemplar ist eine Bronzemünze von Trajan, die als Streufund auf dem Gräberfeld in Syčevo (ehem. Kratlau, Kr. Fischhausen, Samland – Bolin 1926, 215, Nr. 40) zutage kam und die außer einer Durchlochung auch ein eingeritztes Muster aufweist. Abschließend kann als weiterer Hinweis auf die Zierfunktion der Münzen
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Um es zu bestätigen muss man überprüfen, ob diese Münzen gelocht oder geöst waren. Michelbertas selbst betont (Michelbertas 1995, 85), dass ein Teil der Münzen ein Loch oder eine Öse hatte. Er schreibt aber nicht, wo sie entdeckt wurden. Für eine umfassendere Antwort ist es notwendig alle erreichbaren Materialien, die in verschiedenen Museen in Litauen und Lettland gelagert sind, zu untersuchen. Das ist eine weitere Arbeit für die Zukunft. Nach der Meinung von W. Nowakowski schließt es Obolosfunktion der Münzen nicht ein (Nowakowski 1995, 58). AE I mit der in Ostpreußen häufigen Öse versehen. Sesterz aus dem Grab Nr. 11 vom Gräberfeld Kojenen, (ehem. Cojehnen, Kr. Fischhausen).
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die Tatsache genannt werden, dass die Münzen zusammen mit dem Toten verbrannt wurden.14 Das bedeutet, dass die Münzen als Teil der Tracht dienten. Zusammenfassend kann man feststellen, dass die Münzen eher eine Zierfunktion als Anhänger, Teile eines Kolliers oder als Amulett hatten. In das Grab wurden sie als Teil der Tracht hineingelegt. Die einzige Ausnahme sind die Münzen aus den Skelettgräbern der westlitauischen Gruppe, die in den Schächtelchen aus Birkenrinde hineingelegt wurden (Tab. 3). Diese Münzen stellten wohl eher einen Teil der Grabbeigaben oder symbolischen Besitz des Toten dar.
Tab. 3. Geöste/gelochte Münzen im Westbaltischen Kulturkreis.
Fundstelle Âstrebki/Mantau (Dollkeim-Kovrovo-Kultur) Bol’šoe Isakovo/Lauth (Dollkeim-Kovrovo-Kultur) Hrustal’noe/Wiekau (Dollkeim-Kovrovo-Kultur) Juodkrantė/Schwarzort (Westlitauische Gruppe) Ehem. Cohenen (Dollkeim-Kovrovo-Kultur) Moršanskoe/Schreitlaken (Dollkeim-Kovrovo-Kultur) Putilovo/Corjeiten (Dollkeim-Kovrovo-Kultur) Rovnoe/Pollwitten (Dollkeim-Kovrovo-Kultur) Równina Dolna/Unter Plehnen (Bogaczewo-Kultur) Rūdaičiai I, Kr. Klaipėda (Westlitauische Gruppe) Šernai/Schernen (Westlitauische Gruppe) Sirenevo/Eisselbitten (Dollkeim-Kovrovo-Kultur) Syčevo/Kratlau (Dollkeim-Kovrovo-Kultur)
Kontext Brandgrab Brandgrab Brandgrab Unbekannt Brandgrab
Bestimmung AE I AE I Marc Aurel AE I AE I Trajan 2 AE I
Bemerkung gelocht Geöst, mit einem Kettefragment in einer Holzfassung Gelocht gelocht; eine der Münzen mit einem Kettenfragment Gelocht Gelocht Gelocht Gelocht Gelocht Gelocht AE Geöst gelocht mit eingeritztem Muster
Streufund Brandgrab Brandgrab 3 Brandgräber Brandgrab Brandgrab
AE Marc Aurel AE I Severus Alexander 2 AE I AE I Marc Aurel 3 AE I AE I AE Brandgrab
Streufund
AE Trajan
Erwähnt seien noch die Hortfunde mit Münzen oder mit Münzen und Schmuck. In ihnen befanden sich sowohl Bronze- als auch Silbermünzen, wobei die Sesterzen am häufigsten waren. In diesem Fall haben wir es mit einer Thesaurierung zu tun. Die seltenen Siedlungsfunde dagegen kann man, nach Meinung der Autorin, als einen zufälligen Verlust betrachten. Es fehlen aber genauere Angaben zu den auf den Siedlungsplätzen gefundenen Münzen, was eine detaillierte Untersuchung verhindert.
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Viele Münzen, die auf den Gräberfeldern gefunden wurden, zeigen Brandspuren. Außerdem 3 Münzen aus dem Gräberfeld in Rūdaičiai I, Rayon Kretynga (Litauen), die höchstwahrscheinlich auf einem Verbrennungsplatz entdeckt wurden (vgl. Michelbertas 2001, 41).
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Zusammenfassung und weitere Arbeit Die hier präsentierte Analyse der Kontexte und Funktionen der römischen Münzen im Westbaltischen Kulturkreis ist ein Versuch das ganze vorhandene Material zusammenzubringen. Alles, was hier gesagt wurde, bedarf einer weiteren sehr genauen Untersuchung und Begründung. Die dabei wichtigste Aufgabe ist, alle erreichbaren Funde und Archivalien zu erforschen. Das ermöglicht den Zuflusszeitraum und auch die Deponierungszeit der Münzen in den Gräbern zu überprüfen. Damit kann man sowohl einige Münzen genauer bestimmen und datieren als auch ihre Funktion benennen. In Zukunft ist es auch wichtig die Horte zu untersuchen. Dies ist notwendig, um die Struktur der westbaltischen Horte mit der der römischen und provinziellen Horte zu vergleichen. So kann die Zuflussrichtung der römischen Münzen in den Westbaltischen Kulturkreis präziser bestimmt werden. Abkürzungen
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Summary
Anna Zapolska: Roman coins in the western part of the west-Baltic cultural region – context and function Import of Roman coins to the west-Baltic region can be demarcated by a relatively short period – from the Marcoman wars to the mid-3rd century AD. It was probably connected with amber trade. The west-Baltic region seems to be characterized by dominant appearance of bronze denominations (sestertii above all), and small proportion of silver denarii, mostly in graves. With exception for the graves, Roman coins are known from burial sites also – these pieces could be primarily in graves, but they appeared outside the original context via ploughing. In the mentioned territory, also coins found at settlements; hoards and single finds are known. Chronology of that import can be constructed based on the grave inventories accompanied with coins. Most frequently, the coins were found in the graves of the Dolkeim-Kovrovo culture, and they can be dated to the phase B2/C1 (grave no. 263 from Lauth, based on the knuckle clasp found
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there). The majority of coins found in the western part of the west-Baltic region were struck in the Rome mint, only individual pieces came from the eastern mints (e.g. Macianopolis). Because of this information, it is possible to speculate about the area from where the coins reached the Barbaricum. Most probably, they came directly from Rome by sea, which could be documented by individual pieces of sestertii found in the estuary of the Vistula River (the Wielbar culture region) and by the pieces from Denmark. Pendants and piercing of the coins can point to the fact that they were used as jewelry or amulets. There is no evidence for using of coins in graves as oboli mortuorum. English summary by V. Novák
Anna Zapolska: Římské mince v západní části západobatské kulturní oblasti – kontexty a funkce Import římských mincí do západobaltské oblasti lze vymezit poměrně krátkým obdobím – od markomanských válek do poloviny 3. století. Mincovní import byl pravděpodobně provázán s obchodem s jantarem. Specifikem západobaltské oblasti je dominantní výskyt bronzových nominálů (především sestercií) s jen malým podílem stříbrných denárů a to především v hrobech. Kromě mincí z hrobů jsou římské mince známy také z areálů pohřebišť – tyto ražby však primárně mohly být v hrobech a orbu se dostaly mimo původní kontext. Ze sledovaného území známe však i nálezy mincí na sídlištích a zastoupeny jsou zde také depoty i nálezy jednotlivých mincí. Chronologii importu mincí je možné stanovit na základě hrobových inventářů doprovázených mincemi. Nejčasněji jsou mince zastoupeny v hrobech kultury Dolkeim-Kovrovo a lze je datovat do fáze B2/C1 (hrob 263 z Lauth, na základě kolínkovité spony). Většina mincí nalezená v západní části západobaltské oblasti byla ražena v mincovně Řím, pouze jednotlivé exempláře pocházejí z východních mincoven (např. Macianopolis). Díky tomu lze uvažovat o oblasti, odkud se mince do barbarika dostávaly. Nejpravděpodobněji se tak dělo mořskou cestou přímo z Říma, což mohou dokládat jednotlivé exempláře sestercií v ústí Visly (v oblasti wielbarské kultury) a také exempláře z Dánska. Ouška a otvory u mincí naznačují, že byly užívány jako ozdoby či jako amulety. Nejsou žádné doklady o tom, že by mince v hrobech sloužily jako „oboly mrtvých“. Překlad J. Militký
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